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Deutschland (3)

Kayser (Darby):

Kayser

Hier eine sehr seltene Handschelle des deutschen Herstellers Kayser, der auch die echte "Hamburger Acht", eigentlich Modell Nr. 5, produziert hatte. Es handelt sich um ein voll funktionsfähiges und schönes Original, auch wenn das Finish nicht mehr vorhanden ist.

Kayser und Hiatt sind sich sehr ähnlich, was die Form und die fünf Schließpositionen betrifft (Clejuso-Darbies haben dagegen sieben). Die Kayser hat aber geringfügige Unterschiede, z.B. keine Hammerspuren auf dem Verschlussdeckel (bei den Hiatts sind es immer solche "X" oder "Y", durch die der Deckel verstemmt wird). Auch passt der Schlüssel nicht und die Verbindung ist etwas anders. Besonders ist auch die abgerundete Form der Bügelspitze.
Allerdings sind diese Kennzeichen nicht immer eindeutig, ich habe eine andere Kayser (s.u.) mit 4 Schließpositionen und Y-förmigen Hammerspuren auf dem Deckel. Jedoch ist die Form der Bügelspitze gleich und der Schlüssel identisch.

Kayser

Durch das teilweise noch vorhandene Finish wirkt dieses Teil recht verbraucht, obwohl sie noch einigermaßen funktionstüchtig ist.

Kayser Nr. 5:

Hamburger Acht

Dieses Modell ist als "Hamburger Acht" bekannt geworden. Handschellen werden zwar häufig im Polizei-, Knast- oder Gangsterjargon als "Acht" bezeichnet, diese nennt man nun Hamburger Acht, warum auch immer. Ein anderer Name ist Stammheim-Handschelle, benannt nach dem Untersuchtungsgefängnis im Stuttgarter Stadtbezirk Stammheim.
In Hamburg wurden etwa von Mitte der 1960er bis Mitte der 1990er Jahre in jedem Peterwagen (Funkstreifenwagen) zwei Paar Deutsche Polizei-Handschellen mitgeführt. Abgelöst wurden Sie von Smith & Wesson-Handschellen, die von den Beamten bei sich getragen wurde. Daher wird im norddeutschen Raum unter Hamburger Acht auch die Deutsche Polizei-Fessel verstanden.
Das Prinzip wurde bereits 1931 zum Patent angemeldet als einfach zu öffnende und auf geringem Raum verstaubare Handfessel. Die Nr. 5 ist eine sehr restriktive und enge Fessel. Das Schlossprinzip ist recht einfach: Die Bügel werden in den Zylinder eingeschnappt. Die "Nase", die die Bügel hält, wird mit dem Schlüssel einfach weggedrückt. Um die Handfessel schnell einsetzen zu können, kann sie auch aufgrund Aussparungen an den Bügelstücken geöffnet werden, wenn sie zusammengeklappt ist.
Durch zusätzlich eingefräste Aussparungen lässt sich diese Fessel gut für Entfesselungstricks manipulieren.
Hier weitere Bilder:

Dollar Handschellen:

Dollar

Neige den Kopf um 90° zur Seite, dann weißt du, warum der Name so lautet. Der Name (oder "Dollar Sign Handcuffs") kommt aus der Verlegenheit heraus, dass der Hersteller unbekannt ist. Es befinden sich auch keine diesbezüglichen Markierungen auf der Fessel.
Das Schließsystem ist etwas kompliziert, man macht das Stück nicht so ruckzuck auf. Die Kanten des "S" sind abgerundet, ebenfalls abgerundete Bleche verschließen den Zwischenraum am Schlossstück (auf dem Bild noch zu erahnen). Durch die starre Zwangshaltung kann man dieses Teil aber nicht unbedingt als "bequem" bezeichnen.
Hergestellt und verwendet wurden diese Handschellen irgendwann zwischen Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts. Wenn man darüber bei Sammlerkollegen recherchiert, erhält man zu Herkunft und Verwendung, sowie zeitlicher Einordung recht unterschiedliche Angaben. Wenn jemand mehr darüber weiß, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

K & D:

KuD

Diese sind mit K & D Lüneburg markiert, außerdem trägt dieses Exemplar die Nummer 018. Viel ist nicht bekannt über diese Handschellen, sie sind nicht oft zu finden.
Hier noch eine Detailaufnahme:

KuD

Das Modell ist nicht nur im Handschellen im französischen Stil, sie sind identisch mit den La Massenotte; aber auch mit den argentinischen Halcon. Nicht nur der Schellenkörper, auch das Schloss ist identisch, da der Schlüssel bei allen dreien passt. Bei den Halcon sind auch Vergleichsbilder der K & D, La Massenotte und Halcon zu finden.

Horst Moabit Modell 675:

Horst Moabit 675

Das ist Modell 675 aus der Horst Moabit-Serie, die von der Fa. Horst Stein verkauft wurden. Die Aufschrift ist durch den Lack schwer zu erkennen, sie lautet "Horst MOABIT, ges. gesch.", es dürfte also ein Markenschutz bestanden haben.
Es ist ein recht krudes und großes Kettenmodell. Typisch ist auch der "Hammerschlaglack", den man an vielen Horst Moabit-Modellen sehen kann. Gegenüber anderen Modellen wird hier ein kleinerer Vierkant-Schlüssel mit 4 mm Kantenlänge verwendet (ich verfüge über keinen Originalschlüssel).

Häfig werden die Horst Moabit-Modelle auch "Horst Stein Moabit" genannt, da sie eben von Horst Stein vertrieben wurden. Allerdings ist meiner Ansicht nach der Hersteller der Berliner Schlossermeister und Patentinhaber Horst Metk gewesen. Er hat seine Patente Anfang der 1950er Jahre eingereicht. Es ist möglich, dass Metk bereits ab den 1930er oder 1940er Jahren Handschellen hergestellt hat. Es gibt ein dem Modell 608 ähnliches Modell, dass offenbar bereits ein Reichspatent hatte (das war nur bis 1945 möglich), jedoch auch Gebrauchsmuster-Marken trägt. Kurt Metk hat das Patent dazu meiner Recherche nach 1954 angemeldet.
Möglich ist, dass Metk offenbar auch Restbestände der August Schwarz-Deutsche Polizei-Handschellen verkauft hat. Denn einige wenige dieser Handschellen tragen seine Marke (s. Bild unten), die auf den Horst Moabit ein von einem M umschlossenes K in einem Achteck ist; auf den Deutsche Polizei jedoch ohne Achteck. Hier stehen noch weitere Recherchen aus.
Marke Kurt Metk




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