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Deutschland (2)

A. W. Naht:

A.W. Naht

Diese Handschelle Stil der alten leichten Clejuso 12D wurde von den Feldjägern der Bundeswehr verwendet (zuletzt waren es Alcyon Gelenkhandschellen (speziell gefertigte Variante des Modells 5332) und teilweise das letzte Modell der DDR-Handschellen aus Beständen der NVA, vor kurzer Zeit wird die Clejuso Nr. 119 eingeführt).
Übrigens: Die Schlüssel von Naht und Clejuso sehen sich ähnlich, sind aber nicht 100%-ig kompatibel. Im ungünstigsten Fall lässt sich die Schelle mit steckendem Schlüssel nicht mehr öffnen! Mehr dazu gibt es bei der Clejuso 12D.

Deutsche Polizei

Die Modelle der "Deutsche Polizei"-Handschellen der Hersteller August Schwarz, Carl Reher und Heinrich Hagge haben einen eigene Unterseite erhalten. Die Information wird dort weitergeführt und wird in einem der nächsten Updates hier gelöscht werden.

Sehr interessante und traditionsreiche Modelle sind die noch von der deutschen Justiz eingesetzte Handschellen mit der Einprägung "Deutsche Polizei". Zunächst ab vermutlich Ende der 1920er Jahre von der Firma August Schwarz in Berlin hergestellt, wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg von dem ehemaligen Schwarz-Mitarbeiter Carl Reher mit geringen Änderungen gebaut. Carl Reher hat nach dem Krieg Gerätschaften aus der zerbombten Fabrik von Schwarz geborgen und ab Anfang der 1950er Jahre "Deutsche Polizei"-Handschellen gebaut. Seit 1977 baut "Heinrich Hagge Gerätebau" in Bad Segeberg die "Deutsche Polizei"-Handschellen. Lange Zeit baugleich, seit einigen Jahren identisch, sind übrigens die niederländischen Lips-Handschellen, die von der Niederländischen Polizei verwendet werden. Bei den Lips bin ich nicht sicher, ob sie ebenfalls in Bad Segeberg montiert, oder vorproduziert und in den Niederlanden endmontiert werden. Es gibt Hinweise, dass die Lips ebenfalls komplett in Bad Segeberg gebaut werden.

Auffällig an diesen Handschellen ist ein einzelner stehender Bügel anstatt eines Doppelbügels (manchmal als "Seitenschwinger" bezeichnet) und die schiere Größe des Teils. Diese HS besteht übrigens zum großen Teil aus Aluminiumguss.

Hier drei Exemplare der "Deutsche Polizei"-Hersteller auf einem Bild (von oben nach unten August Schwarz, Carl Reher, Heinrich Hagge):

Deutsche Polizei - Schwarz - Reher - Hagge

August Schwarz:

August Schwarz

Ein deutlich gebrauchtes Exemplar. Es gibt bei näherer Betrachtung einige Unterschiede. Die Markirung lautet D.R. PAT. (Deutsches Reichs Patent) und nicht Schutzmarke, wie bei Modellen ab den 1950 Jahren von Reher. Die Sicherung ist nur mit dem recht klein wirkenden Schlüssel zu betätigen, die Schließrichtung ist um das Schlüsselloch herum markiert. Die Schlüssel der Schwarz passen nicht zu den Reher oder Hagge, jedoch sind die Schlüssel von Reher und Hagge kompatibel (siehe auch Bild oben).

Auf dem folgenden Bild ist deutlich die Schraube zu sehen, die das Schloss hält. Bei offenem Bügel kann das Schloss so ausgebaut werden für Wartung, Austausch oder Reparatur. Diese Schraube findet sich auch bei den gebauten Reher bis zu den ersten Modellen von Hagge.

August Schwarz

Carl Reher:

Carl Reher

Die Modelle von Reher sind bereits mit "Schutzmarke" markiert. Neu ist vor allem das Schloss, der alte Schlüssel passt nicht mehr. Die Unterschiede zu frühen Hagge-Modellen sind nicht einfach zu erkennen. Teilweise werden genannt die Verarbeitung der Gelenknieten oder die Rohform der Rückseite. Ich möchte nicht ausschließen, dass es Modelle gibt, die in der Übergangsphase hergestellt wurden und daher identisch aussehen könnten.
In folgendem Bild sind Markierung und Schlossschraube gut erkennbar:

Carl Reher

Heinrich Hagge:

Deutsche Polizei

Ich zeige diese HS einmal als neueres Modell vom Hersteller Heinrich Hagge" in der aktuellen Form C (Bild oben), am besten zu erkennen durch die Sicherungs-Hebel an der Rückseite und die Anordnung der Schellen derart, dass beide Schlüssellöcher dieser nicht-gespiegelten Handschelle in eine Richtung weisen. Die "double lock" Sicherung lässt sich auch mit dem Schlüssel aktivieren.
Das untere Exemplar ist ein älteres Modell noch ohne die Sicherungshebel. Dafür sind neben dem Schlüsselloch - wie bei vielen August Schwarz - Pfeile und Schriftzüge für "Auf" und "Zu" eingeprägt. Das mag vielleicht seltsam erscheinen, aber wenn man die Handschellen sichern möchte und dabei versehentlich öffnet, ist das nicht unbedingt lustig.

Deutsche Polizei-Sicherung

Eine Klarstellung bezüglich Schutzmarke, "Eisernes Kreuz" und Zweiter Weltkrieg, um Verwechslungen, Interpretationen oder Fehldatierungen zu vermeiden:
Handschellen mit der Aufschrift "Schutzmarke" wurden definitiv erst einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg von Carl Reher hergestellt, nach Ende des Deutschen Reiches konnte ja kein Reichspatent mehr erworben werden. Allein aufgrund des im Schriftzug gezeigten Eisernen Kreuzes (Tatzenkreuz) ein mit "Schutzmarke" beschriftetes Modell als im WK II- oder NS-Zeitraum zu datieren, ist daher absurd. Betrachtet man die Geschichte des Eisernen Kreuzes, ergibt sich, dass es ein durchaus deutsches Symbol ist, jedoch kein allein vom Dritten Reich vertretenes Zeichen: In der Grobform wurde das Tatzenkreuz bereits im Hochmittelalter wärend der Kreuzzüge insbesondere vom Templerorden oder vom Deutschen Orden verwendet. Auch als "Hansekreuz" bekannt findet man es bis heute etwa bei den Seenotrettern der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger). Als Verdienstorden wurde das Eiserne Kreuz 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet, diese Tradition wurde in weiteren deutschen Kriegen wieder aufgenommen. Möglicherweise hat die millionenfache Verleihung dieses Verdienstordens im Zweiten Weltkrieg mit der Fehleinschätzung zu tun. Zur Zeit ist das Eiserne Kreuz das Hoheitsabzeichen auf Fahrzeugen der Bundeswehr. Und meines Wissens verwendet die Bundeswehr keine "Deutsche Polizei" Handschellen.




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