Handschellen Handschellenseite

Sammlung

Europa 1

Schließlich habe ich noch weitere europäische Fesseln, die ich keinem Hersteller oder Land zuordnen möchte.

Frankreich

Die vermutlich bekanntesten Handschellen aus Frankreich von Rivolier haben eine eigene Seite.

La Pegy:

La Pegy

Die La Pegy Handschellen sind aus französischer Produktion (hm, viele französische Handschellen folgen grob dieser Form, auch GK France oder die alten "La Massenotte" s.u.). Vermutlich gibt es in Frankreich dieses Formverständnis von Handschellen, wie es das auch von Herstellern wie AHC, Hiatts oder Smith & Wesson in Bezug zu den Peerless gibt.
Die "La Pegy" sind recht einfach gemacht. Hauptanteil ist Aluminium, sie sind ziemlich kantig und schwergängig, es gibt keine Sicherung gegen weiteres Zuziehen der Bügel. Dieses Modell ist demnach nicht für den häufigen Einsatz geeignet.

La Massenotte:

La Massenotte

Auch die alten La Massenotte, vermutlich aus den 30-er Jahren, zeigen die typische Bauweise französischer Handfesseln. Die Massenotte-Handschellen ist schon ein etwas selteneres Stück. Manchmal sieht man es auch mit längerer Kette. Ob es sonstige Gemeinsamkeiten zwischen den französischen Herstellern gibt, ist mir nicht bekannt.

Polnische Handschellen:

Polnische HS

Diese Handschellen kommen aus Polen. Sie haben einigermaßen abgerundete Kanten und sind etwas groß gebaut. Auffällig ist der Schlüssel: Der lange Dorn vorne aktiviert den Doublelock.
Manchmal findet man als Markennamen MO (Milicja Obywatelska - Polnische Polizei als Nutzer) oder ZK-MS (Zaklad Karny-Ministerstwo Sprawiedliwosci - Gefängnisbehörde als Hersteller). Die Handschellen wurden von 1945-1989 in polnischen Gefängnissen hergestellt (ein anders sozialistisches Land, die DDR, hielt das genauso).
Markierungen auf den Handschellen nennen in einem Kürzel das Gefängnis, in denen sie hergestellt wurden, sowie das Herstellungsdatum. Die abgebildete Handschelle wurde demnach im November 1983 gemacht:

Polnische HS

Unterschiedliche Modelle rühren daher, dass sich die Form über die Jahre veränderte. Auf diese Weise kommen etwa sieben leicht unterschiedliche Ausführungen zusammen. Die meisten der Handschellen wurden geschwärzt ausgeliefert. Vernickelte Modelle bekamen nur Offiziere der Polizei bzw. Armee, da Nickel zu den Mangelgütern in sozialistischen Staaten gehören.

Italien

Bagno:

Bagno

Die italienischen Bagni wurden etwa bis Mitte der 70er Jahre eingesetzt. Die Form dürfte schon seit einigen Hundert Jahren bekannt sein.
Der Name entstand vermutlich in Anlehnung an den umgangssprachlichen Namen für das Marseiller Gefängnis für Galeerensträflinge (frz. "bagne" - Bad), deren Kerker regelmäßig unter Wasser standen. Der Begriff wurde vermutlich für italienische Gefängnisse und später für die Fessel übernommen. Eine Variante davon besagt, dass die Bagni zunächst in Frankreich eingesetzt wurden und der ähnlich entstandene Name eben mitgenommen wurde.
Eine Bagno wird typischerweise so angelegt, dass die Hände in verschiedene Richtungen weisen. Wenn der Riegel mittels der Flügelschraube heruntergedreht war, wurde die Fessel mittels eines Vorhängeschlosses gesichert.
Repliken dieser mittlerweile sehr seltenen Teile werden in Pakistan hergestellt, z.B. die KUB 914.

Catanelle:

Catanelle

Gut zu transportieren und jedermann passend sind solche Fesselketten. Indem die Kette durch zwei eingearbeitete Ringe geführt wird, ist jedes Gelenk umschlossen. Gesichert wird das Ganze mit einem Vorhängeschloss.

Handschellen der Carabinieri:

Italienische HS

Auch diese groß gebauten, brünierten und gespiegelten Fesseln stammen aus Italien. Sie verfügen über eine Sicherung, die mit dem Schlüssel beim Öffnen entsperrt wird.
Ich bin nicht sicher, ob diese Handschellen tatsächlich von den Carabinieri eingesetzt werden oder wurden, zumindest wurde mir das zugesichert. Das vorliegende Exemplar ist schon älter, aber ungebrauchte Lagerware.
Auffällig ist die Schellenverbindung: Es gibt keine Kettenglieder, sondern ein Dreieck, in das noch ein Ring eingearbeitet ist. Der Zweck mag sein, mehrere Gefangene zusammen zu schließen, eine Führkette einzuhängen usw.

Belgien

Belgische Magnethandschellen:

FN-Magnethandschellen

Diese Handschellen wurden in Belgien von der Firma Fabrique Nationale (FN) in den 70er Jahren hergestellt. Das Besondere daran ist, dass sie zum Öffnen keinen gewöhnlichen Schlüssel, sondern einen Magneten verwenden. Eine zusätliche Besonderheit ist das Fehlen eines Doppelbügels. Hier handelt es sich also um einen Seitenschwinger, was recht selten vorkommt (vgl. die Hagge Handschellen).
Die Fessel wurde nicht mehr weiterproduziert und angeblich - was auf Lager war - eingeschmolzen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass bei wenig kooperativen Personen sich die Bedienung schwierig gestaltet.
Zwar sind die Kanten gerundet, dafür sind die Bügel aber recht schmal geraten. Zudem gibt es keine Sicherung gegen weiteres Verengen. Alles in allem handelt es sich aber um ein interessantes Sammlerstück in einer ansehnlichen Form.

Belgische Abführfessel:

Belgische Fesselschnur

Diese geknotete Fesselschnur mit dem zwei Knebeln am Ende wurde angeblich in Belgien verwendet. In anderen Ländern wurden dafür Abführketten aus Metall verwendet.

Niederlande

Alte Lips:

Lips

Diese Handschellen stammen aus den Niederlanden. Sie sind nicht mehr im Polizeieinatz. Ein schönes und interessantes Stück.




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